Warum sind die Gehwege in Lissabon mit einem Schwarz-Weiß-Wellenmuster gepflastert?





Ein Platz in Lissabon. Unter den Füßen bilden weiße Kalkstein- und schwarze Basaltwürfel, etwa halb so groß wie eine Handfläche, Wellen und Wirbelmuster. Passanten gehen darüber. An einer Seite hockt jemand auf einem kleinen Holzstuhl und bearbeitet einen einzelnen Würfel mit einem martelo de calceteiro, einem Pflasterhammer. Das ist ein calceteiro, ein Handwerker für Steinpflaster.
Die calçada portuguesa, Portugals traditionelles Steinpflaster, begann 1842 an der Burg São Jorge in Lissabon. 1848 wurde der Rossio-Platz mit 8.712 m² schwarz-weißen Wellenmustern gepflastert, und dieser Stil wurde zum Standard für die Gehwege der Stadt. Seitdem bauen und reparieren calceteiros die Gehwege, indem sie die Würfel von Hand schneiden und setzen. Ein Arbeiter verlegt etwa 33 m² pro Tag. 1986 gründete Lissabon die Escola de Calceteiros, um neue Pflasterer auszubilden. Doch die Zahl der calceteiros, die 1927 noch bei 400 lag, war bis Ende 2025 auf weniger als 20 gesunken. Im Januar 2026 verabschiedete das portugiesische Parlament einstimmig ein Gesetz zum Schutz des Berufs und erklärte den 22. Juli zum Tag des Calceteiro und der Calçada. Eine Entscheidung der UNESCO über die Aufnahme als immaterielles Kulturerbe wird für 2027 erwartet.
In anderen Städten bestehen Gehwege oft aus grauen Betonplatten, braunen Ziegeln oder schwarzem Asphalt. In portugiesischen Städten breiten sich Tag für Tag schwarz-weiße Mosaike unter den Füßen aus, und an einer Seite sitzt jemand auf einem kleinen Stuhl und bearbeitet Steinwürfel mit einem Hammer.